Warum Harald seiner Leidenschaft nicht mehr nachgehen kann
„Jetzt ist Schluss“, sagt Harald leise und blickt durch seine kleine Werkstatt. Zwischen alten Flipperteilen, Werkzeugwagen und Regalen voller Arcade-Komponenten hat er mehr Zeit verbracht als in jedem anderen Raum seines Lebens. Für den heute 68-Jährigen war dieser Ort nie einfach nur eine Werkstatt – er war sein Rückzugsort, sein kreatives Zuhause und der Ort, an dem seine Leidenschaft für Spielautomaten weiterlebte.
„Wenn ich hier an einem alten Flipper gearbeitet oder einen neuen Arcade-Schlüsselhalter gebaut habe, war die Welt für ein paar Stunden in Ordnung“, erinnert er sich. „Hier konnte ich abschalten.“
Doch diese Zeit geht nun zu Ende.
Vor einigen Monaten wurde bekannt, dass ein Investor das gesamte Gelände gekauft hat. Wo sich heute noch kleine Werkstätten, Lagerflächen und Handwerksbetriebe befinden, soll schon bald ein modernes Einkaufszentrum mit exklusiven Designer-Lofts entstehen. Für die bisherigen Mieter bedeutet das vor allem eines: Sie müssen gehen.
„Für die Investoren sind wir nur alte Gebäude auf wertvollem Grund“, sagt Harald bitter. „Was hier über Jahrzehnte aufgebaut wurde, interessiert niemanden mehr. Hauptsache, die Rendite stimmt.“
Die Kündigung kam schnell. Die Entscheidung war längst gefallen. Gegen die Pläne des Investors hatten Harald und die anderen Gewerbetreibenden keine Chance.
Besonders schmerzt ihn die Tatsache, dass seine Arbeit damit praktisch endet.
Monatelang suchte Harald nach einer neuen Werkstatt. Doch die Preise für Gewerbeflächen sind in den letzten Jahren regelrecht explodiert. Was früher für einen kleinen Handwerker bezahlbar war, liegt heute weit außerhalb seiner Möglichkeiten.
„Für große Unternehmen sind diese Mieten vielleicht kein Problem“, sagt er. „Aber für einen Rentner, der aus Leidenschaft arbeitet, ist das schlicht nicht bezahlbar.“
Ein Umzug in die eigene Wohnung kommt ebenfalls nicht infrage. Dort fehlt nicht nur der Platz für Maschinen, Werkzeuge und Materiallager. Auch der Lärm und die Arbeit selbst wären unmöglich.
„Versuchen Sie mal, in einer normalen Wohnung Metall zu bohren, zu schleifen oder schwere Werkzeuge zu benutzen“, sagt Harald und schüttelt den Kopf. „Da würden die Nachbarn wahrscheinlich keine Woche mitmachen. Und ehrlich gesagt kann ich es ihnen nicht einmal verdenken.“
Damit steht für ihn fest: Wenn die Werkstatt geschlossen wird, endet auch die Produktion seiner Arcade-Schlüsselhalter.
„Das ist wahrscheinlich das Schwerste daran“, sagt er nachdenklich. „Nicht das Ausziehen. Sondern zu wissen, dass ich etwas aufgeben muss, das ich mein ganzes Leben lang geliebt habe.“
Ohne bezahlbare Werkstatt und ohne Platz zu Hause bleibt Harald keine andere Wahl. Seine Leidenschaft endet dort, wo bald Glasfassaden, Designer-Läden und Luxuswohnungen entstehen sollen.
„Ich habe Kunden, die ihren Arcade-Schlüsselhalter seit über 15 Jahren im Flur hängen haben... und das Teil sieht aus wie neu!“