Zwei Liter. Täglich. Nur zum Überleben.
Bei extremen Temperaturen stellen die Bienen ihre Sammelflüge ein. Stattdessen fliegen spezielle Wassersammlerinnen immer weiter und länger auf der Suche nach Wasserquellen, da diese in heißen Sommern besonders schnell versiegen.
Kleine Rinnsale, der Tau auf den Blättern, die feuchte Wiese am Rand des Feldes – all diese natürlichen Wasserquellen trocknen als erste aus. Das gesammelte Wasser wird zurück zum Bienenstock gebracht. Dort verdunsten andere Bienen das Wasser mit ihren Flügeln – eine biologische Klimaanlage, die nur so lange funktioniert, wie es Wasser gibt.
Doch wenn die Wassersammlerinnen immer länger suchen müssen, geraten sie an ihre Grenzen. Manche kehren nicht zurück. Das Bienenvolk wird schwächer, besonders in den stressigen Sommerwochen.
Still. Unbemerkt. Ohne dass es jemand im benachbarten Garten wahrnimmt. Dabei wäre es so einfach. Ein sauberer, sicherer Ort im Umkreis der Bienenflüge. Imker kennen dieses Bedürfnis schon seit Jahrhunderten. In vielen Gärten ist es jedoch mittlerweile in Vergessenheit geraten.
Der gute Wille reicht nicht aus – warum viele Wasserquellen scheitern.
Die Idee, etwas anzubieten, ist grundsätzlich gut. Eine alte Schüssel, ein Blumentopfuntersetzer oder das Vogelbad, das schon jahrelang im Garten steht. Der Wille ist vorhanden – doch leider funktioniert es in den meisten Fällen nicht.
Das Vogelbad ist für Vögel gedacht, nicht für Bienen. Der Rand ist zu steil, die Oberfläche zu glatt – die Bienen rutschen ab, ertrinken oder fliegen enttäuscht weiter.
Eine offene Schüssel auf Stein oder Asphalt überhitzt innerhalb weniger Stunden. Besonders am Nachmittag, wenn es am heißesten ist, ist sie meist schon leer.
Der Gartenteich ist der ideale Kandidat – doch Bienen meiden offene Wasserflächen ohne sicheren Halt, und der Teich steht selten dort, wo die Bienen normalerweise fliegen.
Bleibt nur noch die Straßenpfütze. Bienen finden sie, weil es nichts anderes gibt. Doch Asphaltpfützen sind oft mit Reifenabrieb und Öl verunreinigt – ein Volk, das wochenlang von solchem Wasser trinkt, überlebt selten.
Der Zusammenhang bleibt jedoch unsichtbar. Es handelt sich nicht um ein dramatisches Problem. Es sieht nach nichts aus. Und genau deshalb wird es so gut wie nie gelöst.
„Eine Biene trinkt anders als ein Vogel. Das klingt selbstverständlich. Für mich war es das nicht.“