"Doch jetzt ist Schluss..." erklärt der Meister.
Für Li Wei waren seine Armbänder nie bloßer Schmuck. Er glaubte, dass ein Gegenstand immer auch die Zeit und die Sorgfalt in sich trägt, mit der er gefertigt wurde. Deshalb wurde jeder Stein einzeln ausgewählt, jedes Loch von Hand gebohrt und jede Perle mehrfach kontrolliert, bevor sie ihren Platz auf dem Band fand.
"Ein schönes Armband erkennt man nicht auf den ersten Blick", sagte er oft.
Mit über 80 Jahren wusste Li Wei, dass seine Reise sich dem Ende näherte. Jahrzehntelang hatte er in Deutschland gelebt, gearbeitet und seine außergewöhnlichen Armbänder nur an wenige Menschen weitergegeben.
Eines Morgens verschloss er seine kleine Werkstatt ein letztes Mal. Mit einer einzigen Holzkiste, gefüllt mit seinen letzten handgefertigten Naturstein-Armbändern, machte er sich auf den langen Weg zurück in die Berge seiner Heimat China.
Dorthin, wo zwischen Nebel, uralten Kiefern und steilen Felswänden das abgelegene Kloster liegt, in dem er einst die Kunst der Steine erlernt hatte. Er wollte dorthin zurückkehren, wo alles begonnen hatte.
Seit diesem Tag lebt Li Wei zurückgezogen in den Bergen. Die wenigen Armbänder, die er vor seiner Abreise fertiggestellt hat, gelten als seine letzte Kollektion – jedes einzelne von Hand gefertigt, aus sorgfältig ausgewählten Natursteinen zusammengestellt und nach seiner jahrzehntealten Tradition geknüpft.
Wer heute eines dieser Armbänder besitzt, trägt nicht einfach Schmuck. Sondern das Vermächtnis eines Mannes, der sein gesamtes Leben einer fast vergessenen Handwerkskunst gewidmet hat.